Nils Röller: Zur Schaustelle

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Jon Wirthner, Die Narration, Buchobjekt 2015

 

Ein Buch – was ist das eigentlich? Was geschieht, wenn ein «fremdes» Buch mit dem Interesse betrachtet wird, ein eigenes Buch herzustellen? Diese Fragen wurden in zwei Lehrveranstaltungen des Bachelors Design aufgenommen. Sie führten zu Objekten, die nun in der Schaustelle des Medien- und Informationszentrums (MIZ) im Toni-Areal zu sehen sind. Ein Text mit einleitenden Fotos von Betty Fleck, zuerst erschienen in Zett online

Die Schaustelle ist eine Vitrine, die derzeit von am Seminar beteiligten Studierenden und Dozent Nils Röller, organisatorisch unterstützt von Felix Falkner, stellvertretendem Leiter des MIZ, bespielt wird. Seit Januar 2016 werden Produktionen gezeigt, die das Objekt Buch und seine Schnittstellen zwischen Kunst, Gestaltung und Philosophie thematisieren. Zum Beispiel Jon Wirthners «Narrration», Mona Neubauers «Örtchen» und Nora Gailers «König Ödipus». Formal ist diesen drei Buchprojekten gemein, dass sie stets zwei Bücher zeigen. Ein Buch, das im Seminar «Welt als Buch» entstanden ist, und ein Buch, das die Herstellung motiviert hat – und zwar ein Buch aus den Beständen des MIZ.

Definitionen

Gearbeitet wurde mit der Buchdefinition der UNESCO. Laut dieser besteht ein Buch aus mindestens 49 Seiten. Zudem diskutierten die Studierenden zentrale Elemente eines Buches, die sie Hochuli und Kinross’ «Bücher machen: Praxis und Theorie» entnommen haben: Buchblock (das eigentliche Buch), Schmutztitel (Relikt aus der Zeit, als Bücher ohne Einbände verschickt wurden), Haupttitel, Rückseite des Haupttitels, Widmung, Inhaltsverzeichnis, Anmerkungen, Bibliografie, Register, Einband mit Buchrücken, Umschlag.

Diese Elemente wurden in Büchern gesucht, die in den Regalen zu Typografie, Schrift und Gestaltung (U 30–U 32) des MIZ zu finden sind. Danach wählten die Teilnehmenden ein Buch aus, mit dem sie sich für eine Woche beschäftigen wollten. Beschäftigen bedeutete dabei, dass sie ein bestehendes Buch als Schubkraft oder als Widersacher im Prozess, selbst ein Buch herzustellen, verstanden. Die Herstellung wurde dabei zur Methode, eine individuelle Auseinandersetzung mit bestehenden Büchern zu fördern. Aus der Produktion resultierten ein praktische Know-how und ein davon nicht zu trennendes Wissen über den Inhalt eines Buches.

«Das Narrenschiff»

In die Zeit des Umbruchs zum Buchdruck begab sich Jon Wirthner. Er beschäftigte sich mit dem «Narrenschiff» von Sebastian Brant (1494). Brant war Jurist, Dichter und Staatsmann, der die Hochtechnologie seiner Zeit – den Buchdruck – dazu verwendete, die Mauer zwischen Leserinnen und Leseunkundigen niederzureissen. Er schrieb Bücher, die er mit zahlreichen Bildern ausstatten liess. Diese Bilder sollten seine Aussagen auch für Analphabetinnen und Analphabeten übersetzen. «Das Narrenschiff» stellt die Laster und Torheiten von Menschen und Berufen in Text und Bild dar, mit dem Ziel, zu belehren und zu nützen. Die Holzschnitte für die Bilder fertigte Albrecht Dürer an.

Jon Wirthner sah sich zunächst im MIZ eine Ausgabe des «Narrenschiffs» an. Er schreibt dazu: «Unter all den Design- und Kunstbüchern schien es mir eines der wenigen, die nicht schön, ansprechend und freigeistig waren, sondern rau … Überfordernd, doch reizend.»

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Illustration aus: Sebastian Brant, Das Narrenschiff

Die «Narrration»

Jon Wirthners Auseinandersetzung mit dem «Narrenschiff» führte ihn in die Zentralbibliothek Zürich, in den Buchhandel und ins Netz. In der Dokumentation ist zu lesen, wie daraus die «Narrration» geworden ist. Jon schreibt sie ausdrücklich mit drei r und löst damit beim Leser des Titels listig einen Effekt aus. rrr beunruhigt, denn erst bei mehrmaligem Hinsehen wird deutlich, dass es drei r sind, nicht zwei. Das dritte r lässt sich als Beschleunigung der Narrheit, als Nach-«Eifern» verstehen. Jon schreibt: «Diese Arbeit setzt sich mit der Bedeutung des Buches in Zeiten des Internets und damit verbundener Informationsflut auseinander. Im Überfluss der Information und Geschwindigkeit verlieren wir die narrative Struktur, Beständigkeit und Fassbarkeit, welche Büchern ihren Inhalt geben. Dies verbildlicht die ‹Narrration› mit einem [in ihr] enthaltenen Mechanismus – einer Maschine – welche dem Leser einst geordnete Information in fragmentiertem Chaos und hoher Geschwindigkeit entgegenschleudert. Das Buch macht sich unlesbar und hält jeden, der es [zu lesen] versucht, zum Narren.»

In der Hand

Erzählt das Papier eine Geschichte, auch wenn es nicht mit Schriftzeichen oder Bildern bedruckt ist? Bei Betrachtung des Büchleins «Örtchen» von Mona Neubauer werden auf Papier gedruckte Muster sichtbar, die sich für gewöhnlich nicht an das Auge richten, sondern an die Hand, die nach dem Papier greift und seine Struktur meist blitzschnell erfasst und beurteilt. In «Örtchen» sind Toilettenpapiere, die Mona in Toiletten gesammelt und zu einem Buch gebunden hat, verarbeitet worden. Charmant dokumentieren die Papiere Bewegungen zwischen gewissen Orten und fügen sich zu Mitteilungen für diejenigen, die sie zu fühlen verstehen. In der Dokumentation kann nachgelesen werden, wo die Örtchen genau zu finden sind.

Text im Text

Nora Gailer entwickelt in einem bestehenden Text einen neuen, anderen Inhalt – sie verwendet dafür die Reclam-Ausgabe des «König Ödipus» von Sophokles. Sophokles’ Text wird von Nora in seinen typografischen Kontrasten entschärft. Hervorgehoben werden ausgewählte Buchstabenkombinationen, die Personalpronomen bilden: Ich, Du. Er. Sie treten so gehäuft auf, sprechen die Lesenden eindringlich an. Typografische Mittel zeigen so ihre rhetorische Kompetenz. In Noras Arbeit werden sie zu einem konkreten Drama zwischen den ersten drei Personen unserer Grammatik.

Lesen?

Die Prognosen in Bezug auf das Leseverhalten der Zukunft sind pessimistisch, was die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser betrifft, wie so oft, wenn Ältere über Jüngere urteilen, die über andere Techniken verfügen. Wohltuend ist demgegenüber Michael Hagners Plädoyer für das Buch als stabilen Träger von Gedrucktem auf Papier. In «Zur Sache des Buches» unterscheidet der Wissenschaftshistoriker verschiedene Techniken des Lesens, wobei zwei die Nutzung von digitalen Mitteln und Mischformen betreffen. Hagner hält fest, dass die Forderung nach aufmerksamem Lesen schon lange vor dem Auftauchen von Suchmaschinen und digitalen Medien erhoben wurde. Was ist der Vorteil des auf Papier gedruckten Buches?

Zwischen Hand und Auge

Bücher aus Papier wenden sich an das Auge, aber auch an die Hand, die ein Buch hält und darin blättert. Das Spektrum, das sich zwischen Hand und Auge aufspannt, wird durch das Buch von Dominic Neuwirth erfahrbar. Er hat ein Buch im Buch hergestellt. Der Buchblock des ersten Buches besteht aus unbeschriebenen Seiten. Sie bilden den Rahmen für ein kleineres Buch, das mit nicht lesbaren Buchstaben geschrieben ist. Die Buchstaben des kleineren Buches sind in ihren unterschiedlichen Formen und Häufungen erkennbar, nur können wir sie nicht entziffern. Das Buch verlangt nach einer Dechiffriermaschine oder fordert ein Gespräch. Es kann mit der Frage beginnen, was Dominic Neuwirth dort eigentlich geschrieben hat, oder auch damit, wie er die Buchstaben so klar und zugleich unleserlich gesetzt hat. Eine weitere Frage könnte die Abbildungen in seinem Buch betreffen. Thematisieren sie Vorstellungen vom menschlichen Geist oder stellen sie die Materie dar, aus der das Gehirn besteht?

Speicher?

Das Lesen und Schreiben mit dem Ziel, Informationen zu speichern, steht bei der Frage, was ein Buch sei, gewöhnlich im Vordergrund. In der Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Gestaltern rückt die Materialität von Büchern in den Vordergrund, die Haptik und Optik, die jedes Buch mit sich bringt. Klar: Das Buch lässt sich schlicht als Speicher von Texten sowie von Bildern und Zahlen begreifen. Eine andere Speichermöglichkeit des Buches erkundete Zahra Latifi. Sie konservierte ein Organ aus dem Schlachthof Zürich nach einer Methode aus dem alten Ägypten. Im Buchblock aus geklebtem Plexiglas schwebt eine fächerförmige Struktur, die an einen Strauss welkender Blumen oder farbiger Blätter denken lässt. Wird das Buch bewegt, beginnt sich auch der Fächer, verzögert durch die Viskosität des im Buchblock enthaltenen Honigs, zu bewegen.

Feld

Die Schaustelle im MIZ kann als Statement zur Tendenz verstanden werden, Bücher aus Bibliotheken zu entfernen. Jüngst stellte sich der Leiter der ETH-Bibliothek Rafael Ball in der «NZZ am Sonntag» hinter eine solche Forderung. Welche Position nimmt die ZHdK in dieser Frage ein? Die Bücher in der Schaustelle sind als Argument für die materiellen Dimensionen des Buches zu verstehen. Sie bilden Pole eines Spannungsfeldes zwischen Hand und Auge, zwischen materiellen und geistigen Kulturen. Die Spannungsfelder bergen ein mächtiges Potenzial. Es kann schöpferisch die Sicht auf Zukunft und Vergangenheit verändern.

Begleitende Fotos von Betty Fleck unter: http://zett.zhdk.ch/index.php/2016/03/16/welt-als-buch/

Prof. Dr. Nils Röller ist Koleiter der Vertiefung Mediale Künste im Bachelor Kunst & Medien, Departement Kunst & Medien. Seit 2006 ist er Herausgeber des Journals für Kunst, Sex und Mathematik (gemeinsam mit Barbara Ellmerer und Yves Netzhammer).

Medien/Wissenschaft/Geschichte

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Forschungslabor im Department of Physiology, University of Rochester (ca. 1927)

Termine

26. Mai 2016 Gespräch mit Nils Röller. 11 Uhr in der Bauhausstraße 11, Raum 013

Welchen Einfluss haben Medien auf die Entstehung und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse? Wie wirken sich neuartige Techniken zur Visualisierung, Kommunikation und Speicherung von wissenschaftlichen Daten auf den Forschungsprozess aus? Welchen Beitrag liefert umgekehrt die wissenschaftliche Forschung zur Entstehung neuer Medien?

In den letzten Jahren hat sich das Übergangsfeld zwischen Medienwissenschaft und Wissenschaftsgeschichte zu einem ebenso relevanten wie attraktiven Bereich der kultur- und geisteswissenschaftlichen Forschung entwickelt. Zu seinem Gegenstandsbereich gehört u.a. die Geschichte wissenschaftlicher Instrumente, die Entstehung und Entwicklung des wissenschaftlichen Films und die Epistemologie digitaler Bibliotheken und Museen.

Ziel des Projekts ist es, das Übergangsfeld zwischen Medienwissenschaft und Wissenschaftsgeschichte in einer Reihe von Vorträgen und Gesprächen genauer zu umreißen, die relevanten theoretischen Ressourcen zu erschließen sowie aktuelle Problem- und Fragestellungen zu präzisieren.

Nils Röller: Steindenken – Zur Formgeschichte der Polarität

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Denkerei
16 Uhr, Denkerei, Oranienplatz 2, 10999 BerlinNils Röller: Steindenken – Zur Formgeschichte der Polarität
Ein äußerlich unauffälliger Stein avanciert im Spätmittelalter zu einem Modell für den Kosmos. Diesen Aspekt der Geschichte des Magnetismus untersucht der Vortrag in Hinblick auf ein Paradigma für Gestaltung von Steinen an der epistemisch variablen Grenzen zwischen belebt und unbelebt.
Nils Röller ist Professor für Medien- und Kulturtheorie an der Zürcher Hochschule der Künste. Er veröffentlichte u.a.: Magnetismus – Eine Geschichte der Orientierung (Paderborn: Fink, 2010); Über Kräfte – Eine Untersuchung des Journals für Kunst, Sex und Mathematik (gemeinsam mit Barbara Ellmerer und Yves Netzhammer Berlin: Merve, 2014).

Vorstellung im SPHÈRES am 22. Februar 2016, 19 Uhr

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Präsentation von IDIOME, Hefte für Neue Prosa nr. 8 im SPHÈRES, mit Lesungen von Nils Röller aus seinem neuen Projekt „Kaisersucht“ und Elisabeth Wandeler-Deck. Florian Neuner stellt das Heft vor und wird die Gelegenheit nutzen, um kurz an den Schriftsteller und Linguisten Chris Bezzel, verstorben vor einem Jahr, zu erinnern.

Sphères, Bar, Buch, Bühne, Hardturmstrasse 66, CH-8005 Zürich, Tram 17 bis Förrlibuckstrasse

Idiome Hefte für Neue Prosa nr.8

Laurent Stalder, Georg Vrachliotis (Hg.), Fritz Haller Architekt und Forscher

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Mit einem Beitrag von Nils Röller: „Architekturen der Bodenlosigkeit: Haller und Flusser im Dialog“, in: Laurent Stalder, Georg Vrachliotis (Hg.), Fritz Haller Architekt und Forscher (Zürich: gta-Verlag, 2016).

Textauszug:

Die Rolle des Arztes, der abwägt, ob er einen Menschen als Patienten oder als agierendes Subjekt behandeln soll, wird Vilém Flusser für sich in Anspruch genommen haben, während er Fritz Haller die Rolle eines Brückenbaumeisters, der Sachzwängen unterworfen ist, reserviert haben dürfte. Die Voraussetzungen für einen Dialog zwischen dem Architekten, Hochschullehrer und Forscher Haller und dem freischaffenden essayistisch formulierenden Philosophen Flusser sind aus lebensgeschichtlichen, kulturellen und epistemischen Gründen denkbar schlecht, wenn unter einem Dialog ein balancierter Austausch verstanden wird, in dem Spielregeln eingehalten werden, die zu einem Ergebnis führen, in dem sich die Beteiligten ausgewogen berücksichtigt finden. Diese negative Einschätzung lässt sich nach der Lektüre von Flussers Autobiografie Bodenlos treffen. Es spricht für den Schweizer Fritz Haller, dass er sich auf einen Theoretiker einliess, der einen asymmetrischen Austausch in der Informationsgesellschaft für angemessen hält. Ebenso zeigt es sich, dass die Umstände für ihre Begegnung günstig und produktiv waren.

Beide wurden als Mitteleuropäer in den 1920er Jahren geboren, Flusser 1920 in Prag, Haller 1924 in Solothurn. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten musste der Jude Flusser sein Philosophiestudium an der Universität abbrechen, sich in London als Texter über Wasser halten und dann in Brasilien als Angestellter seines Schwiegervaters seine Existenz zwiegespalten sichern: Tagsüber verdiente er als Direktor der Radio- und Transformatorenfabrik Stabivolt den Lebensunterhalt, nachts ging er philosophischen Studien nach. In den sechziger Jahren entscheidet er sich, in São Paulo als Schriftsteller tätig zu werden, er doziert an Hochschulen und ist an der Entwicklung von Curricula beteiligt, ebenso an der Konzeption und Recherche für die Biennale von São Paulo. Letzteres wird zu einem Vehikel, das Flusser und seine Frau 1972 nutzen, um Brasilien zu verlassen. 1991 stirbt Flusser am 27. November bei der Rückkehr von einem Vortrag in Prag. Damit endet abrupt eine Phase, in der er Kulturpolitiker fasziniert und als Vortragender Säle gefüllt hat.

Gespräch zum Thema Kulturförderung

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Im Rahmen der Ausstellung von Daniel V. Keller „PASTCORNERS – REARRANGED“ im Kunstraum Kreuzlingen fand am 10. Januar 2016 ein Gespräch zum Thema Kulturförderung / Förderung Junger Kunst statt mit:

Daniel V. Keller, 16. Preisträger des Adolf-Dietrich-Förderpreises der Thurgauischen Kunstgesellschaft

Gioia Dal Molin, Beauftragte der Kulturstiftung Thurgau

Nils Röller, Professor für Kultur- und Medientheorie an der Zürcher Hochschule der Künste

Geleitet von Ute Christiane Hoefert, Kunsthistorikerin

Neujahrsgespräch im Kunstraum Kreuzlingen Neujahrsgespräch im Kunstraum Kreuzlingen Neujahrsgespräch im Kunstraum Kreuzlingen

Kontakt: Selbstbeobachtung.

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Kürzlich ist im Suhrkamp Verlag der von Thomas Eder und Thomas Raab herausgegebene Sammelband “Selbstbeobachtung: Oswald Wieners Denkpsychologie” erschienen. Er fasst nicht nur einige Jahre Arbeit der mittlerweile einige Leute umfassenden Forschungsgruppe an einer “empirisch belastbaren” Theorie der menschlichen Intelligenz zusammen, sondern gibt auch jenen argumentatives Futter, die der statistischen Theorie der menschlichen Kompetenz mittels “Big data” noch nicht klein beigeben wollen.

Nach einer pro­gram­matischen Ein­leitung und zwei grund­legenden Glossar­studien Oswald Wieners zu den elemen­taren Tat­sachen der Selbst­be­obach­tung werden anhand von Fallstudien in den Aufgabengebieten Geometrie, Topologie, Vermessung, Arithmetik, Literatur, Musik sowie elementare Vorstellen viele Facetten einer neuen Psychologie des Denkens und des Affekts beleuchtet.

Leseprobe

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Towards Cuzco

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Photo: Alfred Strand

In den peruanischen Anden soll eine Medienakademie entstehen. Zur Vorbereitung werden E-Mails zwischen Internet-Cafés in Kalk und Cuzco ausgetauscht. 55 E-Mails werden zwischen der Hauptstadt des untergegangenen Inka-Reiches Cuzco und dem vernachlässigten Kölner Stadtteil Kalk gewechselt. In den Mails wird das reiche audiovisuelle Geschehen in der peruanischen und der Mischkultur des rechtsrheinischen Viertels verarbeitet und mit Fragestellungen der Medientheorie verflochten. S. schreibt aus den peruanischen Anden. Dort soll eine Akademie entstehen, die zwischen der schriftlosen Kultur der Inkas und präkolumbianischer Kulturen und der Welt der digitalen Medien vermittelt. Die Mails von K. verarbeiten sinnliche Reize aus seiner Umgebung in Köln-Kalk, die durch lokaltypische Spannungen aufgeladen ist.

Nils Röller, Towards Cuzco  – Ein E-Mail-Wechsel zwischen Kalk und Cuzco, ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe 2003